Schulbildung in Tansania

Vailet schwingt sich morgens auf ihr Fahrrad und macht sich auf den Weg zur Schule. Gemeinsam mit 44 Schülerinnen und Schülern drückt sie 7 Stunden am Tag die Schulbank. Dass die Klasse so klein und die Unterrichtsqualität hoch ist, ist nicht selbstverständlich. Vailet besucht nämlich eine private Schule.

Durch die strikte Unterteilung in staatliche und private Schulen und das damit verbundene sehr unterschiedliche Unterrichtsniveau fördert das tansanische Schulsystem eine Zweiklassengesellschaft. Das ist der Grund, warum der Besuch privater Schulen im Rahmen unserer Vereinstätigkeit eine so große Rolle spielt. Dank Einzelspenden und Patenschaften können aus dem Hope Home neben Vailet mittlerweile auch Meteli, Masingisa, David, Mary, Pastor und Dennis private Grund- und Sekundarschulen besuchen!

Das tansanische Schulsystem ist von der britischen Kolonialisierung geprägt

Die Kinder starten im Vorschulalter mit der „Nursery School“, wo sie Schreiben, Lesen, Mathematik und Englisch lernen. Ab dem Alter von sechs Jahren besuchen sie sieben Jahre lang die Grundschule („Primary School“) und danach die weiterführende Schule („Secondary School“). Die Sekundärschule umfasst insgesamt vier oder sechs Schuljahre. Nach vier Jahren müssen die SchülerInnen eine zentrale Prüfung bestehen, ehe sie die Oberstufe (12./13. Klasse) besuchen dürfen. Haben sie die Oberstufe erfolgreich abgeschlossen, dürfen sie studieren.

Mangelerscheinungen an staatlichen Schulen

Der Schulbesuch in Tansania ist ein Privileg und für viele in dem armen Land die einzige Hoffnung auf einen sozialen Aufstieg. Auch wenn der Besuch staatlicher Grund- und Sekundarschulen seit 2016 kostenlos ist, ist er eine extreme finanzielle Belastung, die gerade ärmere und kinderreiche Familien häufig nicht stemmen können. Die Eltern müssen nämlich bereits ab der Grundschule für Schuluniformen, Verpflegung, Schulbücher, Lernmaterialien und den Schultransport aufkommen. Außerdem bleibt die Oberstufe an staatlichen Schulen auch weiterhin gebührenpflichtig. Besonders auf dem Land, wo Lehrermangel und Geldnot am stärksten sind, gehen viele Kinder deshalb gar nicht mehr zur Schule. Das gilt vor allem für Mädchen. Diese Entwicklung schlägt sich auch in der Alphabetisierungsrate Tansanias nieder, die laut UNESCO im Jahr 2015 nur 80,3 Prozent betrug 1.

Trotz der Kosten für die Familien mangelt es vielen staatlichen Schulen an Grundsätzlichem wie Büchern, Mobiliar, Trinkwasser, Toiletten und Hygienemöglichkeiten (z.B. zum Händewaschen). Auch eine warme Mahlzeit können nur wenige Schulen anbieten, sodass viele SchülerInnen den ganzen Unterrichtstag ohne Essen auskommen müssen. Die Qualität des Unterrichts lässt an staatlichen Schulen ebenfalls zunehmend nach: Aufgrund der schlechten Bezahlung und des damit einhergehenden akuten Lehrermangels ist es nicht ungewöhnlich, wenn ein Lehrer in einem Klassenraum bis zu 70 Schüler unterrichtet. Hinzu kommt, dass viele der staatlichen Grundschullehrer selbst noch sehr jung, unerfahren, unmotiviert und schlecht ausgebildet sind.

Die Auswirkungen zeigen sich insbesondere beim Englischunterricht: Schon in der Grundschule sollen die SchülerInnen Englisch lernen, was aufgrund von Lehrer- und Qualitätsmangel nicht ausreichend geschieht. An den weiterführenden Sekundarschulen soll schließlich grundsätzlich der gesamte Unterricht in englischer Sprache stattfinden. Auch das erfolgt an staatlichen Schulen eher selten. Zum einen sind wiederum die Lehrer dafür nicht ausreichend qualifiziert, zum anderen verstehen viele der Sekundarschüler die Sprache nicht gut genug, um dem englischsprachigen Unterricht zu folgen. Schließlich fehlt ihnen die Basis, die in der Grundschule gelegt werden sollte. Die Schüler können dem Unterrichtsstoff am Ende also nur schlecht folgen und haben nur eine geringe Chance, die nationalen Abschlussprüfungen zu bestehen, die sie zum Besuch der Oberstufe (12. und 13. Klasse) berechtigen.

Gute Bildung ist nur an Privatschulen gewährleistet

Gebührenpflichtige Privatschulen sind deutlich besser ausgestattet als staatliche Schulen, können Lehrkräfte besser bezahlen und sich somit auch besser ausgebildete Lehrkörper leisten. Die Schüler werden dort ab der ersten Klasse von qualifizierten und motivierten Lehrern (auch auf Englisch) unterrichtet und bekommen eine qualitativ hochwertige Bildung, die sie optimal auf die Zwischen- und Abschlussprüfungen vorbereitet. Im Gegensatz zu den Jugendlichen an staatlichen Schulen besteht ein Großteil der Privatschüler diese Tests. Der Besuch einer Privatschule (Primary und Secondary School) trägt also entscheidend dazu bei, dass die Kinder ihr volles Potenzial ausschöpfen können und eine Perspektive für ihre Zukunft erhalten. Leider können sich die meisten tansanischen Familien die Gebühren für Privatschulen nicht leisten, die bei umgerechnet mehreren Hundert Euro pro Jahr liegen.

Jugendliche, die keine Hochschulzugangsberechtigung erlangen, können nach ihrem Schulabschluss eines der ebenfalls gebührenpflichtigen sogenannten „Colleges“ besuchen. In diesen Trainingscentern werden sie in bestimmten Fachbereichen ausgebildet – auch wenn sie nicht mit einem akademischen Grad abschließen. Das betrifft insbesondere handwerkliche Berufe, aber auch die Ausbildung zum Tour-Guide oder Lehrer.

1 https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Staaten_nach_Alphabetisierungsrate#cite_note-1

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