Deutsche Planung trifft auf tansanische Gemütlichkeit

Erfahrungsbericht unseres Vorstandsmitglieds Vanessa

Nachdem ich mich schon seit gut einem Jahr als Vorstand bei Weltherz engagiere, war mein Besuch im Hope Home im Januar mehr als überfällig. Auch ich wollte mir endlich ein Bild vor Ort machen, um die Bedürfnisse und Wünsche besser einschätzen und auch vertreten zu können. Nachdem Denise bei den Reisen nach Tansania mittlerweile quasi routiniert ist, war ich sehr beruhigt und kaum aufgeregt.

Am Flughafen werden wir wahnsinnig herzlich empfangen und auch die Kinder sind vor Freude nicht zu bremsen. Im Hope Home lebt es sich wie in einer großen Familie. Jeder packt mit an und Sarah und Joseph behandeln jedes der Kinder gleich. Auch ich gehöre sofort dazu, auch wenn ich anfangs, ganz im Gegensatz zu den Kindern, noch etwas Berührungsängste habe. Diese sind aber spätestens nach meiner ersten Busfahrt verflogen: Die vier Sitze pro Reihe gelten nämlich tatsächlich erst als voll, wenn pro Reihe fünf Personen Platz gefunden haben.

Für unseren gut einwöchigen Aufenthalt im Hope Home haben wir schon zu Beginn viel geplant. Als großer Freund der schnellen Erledigung muss ich mich allerdings zuerst an die tansanische Gemütlichkeit gewöhnen. Der Kauf eines Sackes Reis kann hier nämlich gut und gerne mal eine Stunde dauern, sodass Einkäufe und Erledigungen für mich zur Geduldsprobe werden. Wieder einmal muss ich feststellen, dass Warten nicht zu meinen Stärken gehört. Das tut mir aber auch mal ganz gut!

Die Tage im Hope Home vergehen wie im Flug: Aufstehen, Chiapati (sehr leckerer Pfannkuchen!) und danach sind wir den ganzen Tag unterwegs, um unsere To Do-Liste abzuarbeiten. Sobald die Kinder abends von der Schule kommen, wird gespielt, gekocht und gegessen.

Wasser marsch!

Unser erster größere Ausflug führt uns nach Moshi, wo wir die lang ersehnten Geschenke unserer Weihnachtsaktion kaufen: ein neuer Kühlschrank, eine Waschmaschine und neue Schuluniformen für alle Kinder. Am Anfang müssen wir noch täglich auf den Markt, um Essen zu kaufen. Mit dem Kühlschrank ist der Alltag nun viel leichter – und das wird abends gebührend gefeiert, Tanzperformance inklusive. Einen kleinen Dämpfer gibt es trotzdem: Die Waschmaschine verweigert ihren Dienst, weil der Wasserdruck zu niedrig ist.

Die Wasserversorgung ist im Allgemeinen ein größeres Problem als ich vermutet habe. Da Wasser nur abends und an einem Tag in der Woche über einen konkreten Plan zur Verfügung steht, sind die Nutzungsmöglichen sehr eingeschränkt. Geduscht wird mit einem Eimer – damit komme ich erstaunlich gut zurecht. Als die Wasserversorgung aber für drei Tage streikt, sind auch die kleinen Wassertonnen schnell leer. Um dieses Problem schnell zu beheben, schaffen wir den dringend benötigten, ausreichend großen Wassertank an. Er stellt die Trinkwasserversorgung sicher und erzeugt den nötigen Druck für Dusche und Waschmaschine. Zu meiner Begeisterung können die Handwerker die Installation noch während unseres Aufenthalts fertigstellen. Waschmaschine läuft, Sarah ist glücklich.

Schule ist nicht gleich Schule

Ein weiterer Punkt auf unserer Liste ist der Besuch der Kinder in den Schulen und die Zahlung der Schulgebühren. Begeistert bin ich von den privaten Schulen, die von Aufbau, Größe, etc. sehr mit denen in Deutschland zu vergleichen sind. Schockiert bin ich jedoch von den Zuständen an der staatlichen Schule, die wir besuchen. Die Klassenzimmer sind überfüllt und auch während unserer Anwesenheit werden die Kinder mit einem Stock zur Ruhe gebracht. Die Unterschiede zwischen staatlicher und privater Schule  hinsichtlich des Englisch-Levels sind ebenfalls erheblich. Das bestätigt mich darin, dass wir uns  verstärkt für die Bildung der Kinder einsetzen. Mehr zum Schulsystem in Tansania findet ihr hier.

In besonderer Erinnerung wird mir der Besuch von Marys neuer Schule bleiben. Sie besucht seit Jahresbeginn eine Boarding School (Internat), die wir nur über abenteuerliche Wege mit dem Motorradtaxi erreichen. Hinter viel Urwald finden wir die Schule auf einer grünen Höhe. Mary freut sich sehr uns zu sehen und führt uns herum. Hier ist auch außerschulisch viel geboten und ich könnte mir selbst vorstellen, in dieser Idylle zur Schule zu gehen.

Viel geschafft und noch mehr mitgenommen

Das Fazit meines ersten Besuchs in Tansania: Als großer Freund der To Do Liste bin ich sehr zufrieden. Waschmaschine, Kühlschrank, Wassertank, Krankenversicherung für alle Kinder, Schulgebühren, Schuluniform und Miete sind erstmal abgehakt.   Auch menschlich war der Aufenthalt eine tolle Erfahrung. Tansanier würde ich mit drei Worten als unglaublich gastfreundlich, kommunikativ und hilfsbereit beschreiben. Sei es die Hochzeit, bei der wir teilnehmen durften, oder auch nur ein einfacher Marktbesuch – wir wurden durchweg sehr positiv empfangen und ich habe wieder festgestellt, dass man auch ohne viel Worte kommunizieren kann. Trotz der sehr einfachen Verhältnisse wirken die Menschen auf mich sehr zufrieden. Von dieser Einstellung möchte ich mir auch etwas mit nach Hause nehmen.

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