Unser Zukunftsprojekt:

Bau eines Kinder- und Frauenhauses / Beratungszentrums

Während unserer mittlerweile mehrmaligen Aufenthalte in Boma Ng’ombe, Tansania, haben wir uns intensiv mit Behörden, Betroffenen und anderen ehrenamtlich Tätigen ausgetauscht und uns ein konkretes Bild über die Lebensverhältnisse in Tansania, die gesellschaftlichen Strukturen, die Zusammenarbeit mit Behörden und die Auswirkungen gesetzlicher Vorgaben gemacht. Dadurch haben wir erkannt, dass nicht nur Waisen und Straßenkinder zu der Bevölkerungsgruppe gehören,  die großen Gefahren ausgesetzt ist. Auch junge Mädchen und Frauen benötigen besonderen Schutz.

Die Aktivitäten von Weltherz e.V. umfassen daher mehrere Stufen:

Neubau eines Waisenhauses und Kinderzentrums

Neben der laufenden Unterstützung des „Hope Home Waisenhauses und Kinderzentrums“ bei den alltäglich anfallenden Ausgaben hat die Finanzierung des Neubaus einer Einrichtung für Waisen und Straßenkinder hohe Priorität. In Zusammenarbeit mit Sarah und Joseph sowie dem lokalen Sozial und Jugendamt möchten wir für die Kinder, die bereits im Hope Home leben und keine geeignete Pflegefamilie gefunden haben, ein neues Zuhause schaffen, in dem sie kindgerecht und behütet aufwachsen können. Das Haus, in dem das Hope Home derzeit zur Miete untergebracht ist, bietet nicht ausreichend Platz für alle Kinder. Sarah und Joseph müssen deshalb aufgrund der staatlichen Anforderungen immer häufiger hilfsbedürftige Kinder zurückweisen. Außerdem sind die Mietverträge meist auf ein Jahr begrenzt. Seit der Gründung des Waisenhauses mussten Sarah und Joseph daher mit den Kindern schon mehr als 20 Mal umziehen, was die teilweise psychisch belasteten Kinder stets aus ihrem gewohnten Umfeld reißt.

Dieser Situation soll der Neubau einer eigenen Einrichtung ein Ende bereiten und den Kindern ein geeignetes Umfeld bieten. Darüber hinaus ist ein Außenbereich für einen Nutzgarten und eine kleine Viehzuchtvorgesehen, um dem Hope Home eine nachhaltige Selbstversorgung und kleine Einnahmequelle zu ermöglichen.

Zusätzlich soll die neue Einrichtung anderen Straßen und Waisenkindern als erste Anlaufstation dienen (sog. „Drop in Center“). Hier können die Kinder und Jugendlichen so lange in einem fürsorglichen Zuhause leben, bis eine geeignete Pflegefamilie für sie gefunden ist. Dort werden sie weiterhin von Sozialarbeitern betreut.

Angel mit Sohn Evans
Frauenhaus und Beratungszentrum

In Ergänzung dazu wird die zukünftige Einrichtung auch als Auffangstation für geistig und körperlich missbrauchte Frauen und Mädchen dienen. In vielen Teilen der Bevölkerung werden Mädchen auch heute noch schwer benachteiligt. Ihre Eltern erlauben ihnen nicht, eine Schule zu besuchen, da dies als Zeitverschwendung angesehen wird und die Minderjährigen Geld für ihre Familie verdienen sollen. Frauen sind häufig Opfer von psychischer und/oder physischer Gewalt und Unterdrückung – auch durch ihre Ehemänner, von denen sie ohne eigene Schulbildung finanziell abhängig sind. Die Zwangsverheiratung minderjähriger Mädchen ist in weiten Teilen des Landes noch sehr verbreitet, weil das Brautgeld, zum Beispiel in Form von Kühen oder Ziegen, eine zusätzliche „Einnahmequelle“ für die Familien ist. Nicht selten werden Mädchen und junge Frauen auch zur Prostitution gezwungen. Auch von der sehr gefährlichen Genitalverstümmelung sind viele junge Mädchen und Frauen betroffen, was bei ihnen ein Leben lang sowohl physische als auch psychische Schädigungen hinterlässt und ihnen die Chance nimmt, an einem selbst bestimmten Leben in der Gesellschaft teilzunehmen.

Sarah und Joseph konnten bereits vier Mädchen vom Stamm der Massai, einer traditionellen ostafrikanischen Volksgruppe, vor Genitalverstümmelung und zwei weitere Mädchen vor einer Zwangsehe bewahren. Sie haben sie im Hope Home aufgenommen und ihnen eine schulische Ausbildung ermöglicht.

Im neuen Frauenhaus sollen auch minderjährige, schwangere Mädchen und Mütter einen Zufluchtsort finden. Denn diesen Mädchen verbietet die Regierung in Tansania per Gesetz, weiterhin zur Schule zu gehen. Mit dem Schulverbot will der Präsident die hohe Schwangerenrate bei Teenagern senken. In die Schule zurückkehren dürfen die Mädchen nicht. Ohne Schulbildung gibt es aber für junge Menschen in Tansania keine Aufstiegschancen – sie bleiben in der Armut gefangen. Diesen Frauen und Mädchen werden Sozialarbeiter zur Seite stehen, die sie betreuen und ihnen den Wiedereinstieg in die Gesellschaft und den Weg aus der Armut ermöglichen.

Hierzu werden wir im künftigen Kinder- und Frauenzentrum im Rahmen von Aufklärungsprogrammen über Themen wie Hygiene, HIV/Aids, Verhütung und Schwangerschaft informieren, aber auch Englischkurse anbieten und berufliche Integrationsmöglichkeiten schaffen. Ein Handarbeitsraum mit Nähmaschinen wird den Frauen beispielsweise eine kleine Einkommensquelle schaffen. Im Gegenzug hierzu werden die Frauen – falls und soweit dies im Einzelfall möglich ist – bei der Betreuung der Straßen- und Waisenkinder unterstützen.

Die Rolle von HIV/AIDS

Seit den achtziger Jahren, als HIV/AIDS in Tansania bekannt wurde, hat die Krankheit Millionen von Menschen das Leben gekostet und viele Kinder zu Waisen gemacht. Sie sind von der Gesellschaft ausgeschlossen und haben keinerlei Perspektiven für ihre Zukunft. Viele Waisen rutschen in ihrem täglichen Kampf ums Überleben in die Kriminalität ab – von Diebstählen über Drogenmissbrauch bis hin zur Prostitution, wovon besonders Mädchen betroffen sind. Auch im Hope Home Waisenhaus und Kinderzentrum haben AIDS-Waisen ein liebevolles Zuhause gefunden.

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