Besuch vor Ort: Ein Gründstück für das Hope Home

Wieder ist ein halbes Jahr vergangen und so ist es an der Zeit, dass Weltherz dem Hope Home einen Besuch abstattet. Wie ein Jahr zuvor machen wir (Denise und Nina) uns gemeinsam auf die ca. 16-stündige Flugreise nach Tansania.

Mit mehr als 60kg Gepäck und Taschen voller Geschenke und Mitbringsel für die Kinder geht es für uns Mitte August vom Flughafen München über Dubai zum Kilimanjaro Airport. Mit jedem zurückgelegten Kilometer steigen die Aufregung und Vorfreude. Wir freuen uns sehr die Kinder wiederzusehen – und diesmal verfolgen wir noch eine ganz besondere Mission: Wir wollen ein Grundstück für das Hope Home kaufen.

Mit einem der großen Busse machen wir uns einige Tage nach unserer Ankunft vom Hope Home aus auf den Weg nach Chalinze, das im Osten des Landes liegt. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen ist, dass eine mehr als zwölfstündige Busfahrt auf uns wartet. Wir haben zwar schon damit gerechnet, dass die tansanischen Zeitangaben (5 Stunden für 500 Kilometer) nicht ganz der Realität entsprechen, aber auf ganze zwölf Stunden waren wir auch nicht wirklich vorbereitet. Kurz vor Mitternacht sind wir dann endlich – völlig erschöpft – an unserem Ziel angelangt: dem Zuhause von Sarahs und Josephs Freunden Hangi und Getrude, von dem aus wir die nächsten Tage Grundstücke anschauen wollten. Selten haben wir in unserem Leben eine solche Gastfreundschaft erlebt. Wir sind ihre ersten Gäste aus dem Ausland und werden durch und durch verwöhnt – mit eigenem Zimmer und Dusche, köstlichem tansanischen Essen und sogar einem privaten Fahrdienst mit eigenem PKW. Hangi ist selbst Jurist und so entsteht bereits am ersten Abend eine lebhafte und eifrige Unterhaltung zwischen ihm und Denise – „Wakili msomi“, wie Hangi es auf Swahili nennt und was so viel bedeutet wie „gelehrte Schwester und Bruder“. Auch sein kleiner Sohn freundet sich nach der ersten Angst, weil wir so ungewohnt „weiß“ aussehen, und ein paar deutschen Maoams mit uns an. Getrude selbst betreibt eine Vorschule und so können wir uns bei ihr und Hangi außerdem wertvolle Tipps für den Bau holen.

Am nächsten Morgen treffen wir einen Makler, um Grundstücke zu besichtigen. Aktuell ist das Hope Home in der Kilimanjaro-Region zuhause. In der wegen Serengeti und Kilimanjaro vergleichsweise touristischen Region wurden in den letzten Jahren allerdings viele Waisenhäuser und internationale Hilfsorganisationen gebaut, weshalb die Regierung reihenweise Häuser schließt und den Bau neuer Einrichtungen nicht gestattet. Nach vielen Gesprächen mit Sozialarbeitern und dem Jugendamt haben Sarah und Joseph daher vorgeschlagen, nach Chalinze umzusiedeln, wo der Bedarf an Waisenhäusern und Schulen wesentlich größer ist.

Grundstückskauf mit Hindernissen

Die erste Grundstücksbesichtigung strapaziert ganz schön unsere Nerven – zu sechst in ein Auto gequetscht lotst uns der Makler kilometerweit querfeldein über Stock und Stein – weder Straßen noch Stromleitungen oder andere Häuser sind weit und breit zu sehen. Das Auto wird dabei ganz schön in Mitleidenschaft gezogen und für einen kurzen Moment zweifeln wir daran, dass es diesen Ausflug überstehen wird. Aber dann passiert plötzlich das, was wir bis zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich gewagt haben, zu träumen: Wir finden schon bei unserer zweiten Besichtigung ein großartiges Grundstück, das unsere Anforderungen erfüllt.

Es liegt nur acht Kilometer von der etwas größeren Stadt Chalinze entfernt am Rand des Dorfes, in dem der ehemalige tansanische Präsident mittlerweile lebt. Es liegt an zwei Straßen und direkt in der Nähe eines Krankenhauses. Wir können unser Glück kaum fassen! Die Fläche ist eben und wenig bewachsen und der Boden ist auch für den Gartenbau einwandfrei beschaffen. Jetzt muss nur noch der Preis stimmen. Das Verhandeln überlassen wir Sarah und Joseph und so werden wir uns nach einer knappen Stunde einig. Wir können 5 „Acker“ (70×70 Meter) erwerben und haben sogar noch die Möglichkeit, in Zukunft weitere Grundstücksflächen zuzukaufen. Wir freuen uns sehr, dass wir unserem Zukunftsprojekt  damit ein gutes Stück nähergekommen sind: Voller Kraft und Tatendrang nehmen wir jetzt den Bau eines neuen Zuhauses für das Hope Home und in einem darauffolgenden Schritt den Bau einer Schule in Angriff!

Puzzeln, Kinderschminken und Backen im Hope Home

Natürlich sind wir während unseres Besuchs auch wieder ein paar Tage im Hope Home, wo wir von einer Schar aufgeregter und fröhlicher Kinder herzlich in Empfang genommen werden. Gemeinsam mit ihnen feiern wir den Feiertag „Nane Nane“ (Farmers‘ Day), was „Acht Acht“ in der Landessprache Swahili bedeutet. An diesem Tag wird der wichtige Beitrag der Landwirte zur Wirtschaft Tansanias geehrt. Schon früh am Morgen geht es daher für uns mit fast 20 Kindern nach Arusha, wo wir eine große Landwirtschaftsmesse anlässlich des Feiertages besuchen. Die Kinder sollen hier etwas über Tiere, den Anbau von Gemüse und Obst und Landwirtschaft im Allgemeinen lernen. Aber auch für uns lohnt sich der Besuch: Wir probieren köstlichen tansanischen Honig aus dem Ngorongoro-Krater, sehen exotische Tiere und lernen die tansanische Gartenbauart des „Sack gardening“ kennen. Hier werden Samen und Pflanzen in alten Kaffee- oder Zementsäcken gepflanzt – aufgrund der afrikanischen Bodenbeschaffenheit in manchen Regionen die einzige Möglichkeit, Gemüse und Obst anzubauen. Auch die Firma Knauf aus Iphofen und twiga aus Heidelberg begegnen uns hier in Form ausrangierter Säcke.

In den nächsten beiden Tagen verbringen wir so viel Zeit wie möglich mit den Kindern im Hope Home. Neben Fußball- und Federball spielen steht auch Puzzeln und Kinderschminken hoch im Kurs – die Mitbringsel aus Deutschland erfreuen sich äußerster Beliebtheit. Die meisten der Kinder und Jugendlichen haben noch nie in ihrem Leben ein Puzzle gemacht und beschäftigen sich stundenlang konzentriert mit „Der Sendung mit der Maus“ in 28 Teilen. Dabei merken wir deutlich, dass unsere Förderung der Schulausbildung bereits Früchte trägt. Besonders die Kinder, die Privatschulen besuchen, haben große Fortschritte gemacht. Aber auch für die anderen haben sich die regelmäßigen Nachhilfestunden am Nachmittag ausgezahlt – sie sprechen mittlerweile richtig selbstbewusst und fleißig Englisch, was vor einem halben Jahr noch undenkbar war. Auch der Wassertank, Kühlschrank und die Waschmaschine, die wir letztes Jahr dank unserer Weihnachts-Spendenaktion anschaffen konnten, erleichtern dem Hope Home den Alltag sichtlich.

Zum Abschluss bittet Joseph uns noch, den Kindern das Brot backen beizubringen. Sie lieben Weißbrot zu ihrem Tee, aber da der regelmäßige Einkauf von abgepacktem Brot teuer ist, wollen Sarah und Joseph in Zukunft mit den Kindern ihr eigenes Brot backen. Zuerst etwas ratlos, da wir selbst noch nie Weißbrot gebacken haben, gehen wir die Aufgabe mit Eifer an. Ohne Messgeräte und mit einfachen tansanischen Zutaten gelingt es uns schließlich, ein nicht nur gutaussehendes und köstlich riechendes Brot zu backen – auch den Geschmackstest besteht es!

Nach nur drei Tagen im Hope Home heißt es dann für uns leider schon wieder „Goodbye“. Und was wir schon in den letzten Tagen gespürt haben, bestätigt sich auch hier: Die Bindung zwischen uns und den Kindern wächst von Mal zu Mal und irgendwie gehören wir mittlerweile schon richtig zur „Familie“. Zum ersten Mal sehen wir Tränen fließen, als sich die Kinder von uns verabschieden. Aber wir wissen ja: Es ist nur ein Abschied auf Zeit und ganz bald werden wir uns wiedersehen.

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